2012

Der Gartenteich



Mein „Teichleben“ begann schon im Sandkasten, wortwörtlich. Dort hatte ich mit 9 oder 10 mein erstes Minigewässer und habe Kaulquappen aufgezogen. Dann ging es weiter: derTeich wurde größer, ein zweiter kam hinzu, zusätzlich zu den Fröschen zogen Wasserschildkröten ein, was ersteren nicht besonders gefallen haben dürfte … Teiche sind Hotspots des Gartenlebens. Hier finden sich nicht nur Pflanzenarten, die es sonst nirgendwo gibt, auch Insekten und Vögel schätzen sie sehr. Darum stand es außer Zweifel, dass auch der neue Garten einen Teich brauchte. Aber wohin?

Ich hatte viel darüber nachgedacht, kam aber zu keiner Lösung. Entweder passte die Stelle nicht ins Designkonzept oder sie war für einen Teich ungeeignet. Bis eine Freundin (es war noch 2011) im Garten stand und meinte „Ein Teich gehört in die Mitte!“

Es gibt Momente, die setzen etwas in Gang, und dieser gehörte dazu. „Wenn der Teich im Mittelpunkt steht, dann gruppiert sich alles andere drumherum, dann könnte man doch einen Rundweg anlegen, dann könnte man doch entlang des Wegs Zimmer anlegen … .“ Und so führte eine harmlose Bemerkung nicht nur zur Anlage des Teiches an besagter Stelle, sondern auch zu einer grundlegenden Neuausrichtung des gesamten Gartenkonzepts.

Einen Teich in ein ehemaliges Trümmergrundstück zu graben ist allerdings eine ganz eigene Herausforderung. Das Vorgängerhaus war im Krieg zerstört worden, nur der Keller blieb erhalten. Offenbar hatte man die Überreste lediglich flachgezogen und mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Auf jeden Eimer Erde kamen gefühlte 10 Eimer Backsteine, zerbrochene Fliesen und andere Zeugnisse der Vergangenheit. Die wurden dann auf immer größer werdenden Haufen auf der Betonplatte entlang des Teiches aufgeschüttet. Wo sie auch größtenteils blieben – und mit Erde bedeckt neue Beete bildeten.

Die Grube wurde an ihrer tiefsten Stelle fast 1 m tief ausgehoben. Der Bereich ist von der Fläche her allerdings ziemlich klein, ein Rechteck direkt vor der Betonplatte, wo später eine Sitzfläche aus Terrassenholz angelegt wurde. Die Tiefe wird benötigt, um bei starkem Frost Rückzugsmöglichkeiten für die Lebewesen oder auch einer Seerose einen guten Standort zu bieten. Im Rest der fast 4 m² großen Fläche ist der Teich dagegen flach, nur bis zu ca. 30 cm tief. Vielen Sumpfpflanzen kommt das sehr entgegen. Es ermöglicht außerdem einen sanften Übergang ans Ufer. Als Rand wurden Backsteine aus dem Aushub verwendet, die im Wasser liegend schon bald vermoosten und heute sehr natürlich wirken.

Die 1 mm starke Teichfolie in die Grube zu bugsieren und möglichst faltenfrei auszulegen ist ohne Hilfe kaum zu bewältigen. Für verhältnismäßig kleine, individuell gestaltete Gartenteiche wie dieser ist dieser Ansatz jedoch empfehlenswert. Fertigteiche geben die Form hingegen vor und lassen sich meiner Ansicht nach auch kaum natürlich in die Umgebung einfügen.

Gartenteich im Juli 2012

Der Teich wurde im April angelegt und benötigte dann einige Wochen der Ruhe, bevor die ersten Pflanzen einziehen konnten. Danach ging es allerdings sehr schnell, im Sommer sah er schon ganz passabel aus.

Spalierobst und Mixed Border


Wer schon einmal in einem Garten in England war kennt vermutlich die Beete, die aussehen, als seien sie aus dem Chaos geboren. Alles tummelt sich wild durcheinander. Tatsächlich folgen sie strikten Kompositionen aus aufeinander abgestimmter Wuchshöhe, Blühzeitpunkten und -farben. Erst dann entsteht der Eindruck eines zwar üppigen, aber nicht ungepflegten Beets.

Mixed Border werden, wie der Name schon sagt, als Randbegleitung einer Rasenfläche oder vor Mauern gepflanzt. Bei mir traf beides zu. Ich hatte das Pflanzkonzept in einem Buch gesehen, eine blau-weiße Kombination verschiedener Stauden, dazu einige Kletterrosen. Ich habe sie in den Onlineshops renommierter Staudengärtnereien und einer Baumschule bestellt. Eine andere Chance hat man quasi nicht, wenn man präzise alle gewünschten Arten und Sorten und dazu noch alles zu einem Zeitpunkt bekommen möchte. In Ergänzung zu diesem Konzept wollte ich zusätzlich Spalierobst direkt vor die Mauer setzen, Äpfel und Birnen sowie einen Weinbergpfirsich, den ich schon hatte.

Aus der Sicht des Jahres 2019 stelle ich fest: Nicht alle sind sie geblieben, dafür kamen andere hinzu und aus dem Konzept der mixed wurde eine very mixed border. Insgesamt hat es sich aber bewährt. Dass ich von den Spalierobstbäumen kaum je geerntet habe hat wohl viel mit der Lage im Schatten der Zypresse zu tun. Auch der Rittersporn, der im Pflanzkonzept vorgesehen war, verabschiedete sich fast sofort wieder. Seit ich weiß, dass man ihm am besten immer etwas Sand oder Kies um die Sproßbasis streut, weil er sehr infektionsnfällig ist, geht es besser. Aber es scheinen doch kurzlebige Stauden zu sein und wenn die letzte gegangen ist werde ich sie nicht mehr ersetzen. Eisenhut ist nach meiner Erfahrung ein guter Ersatz und viel haltbarer. Richtig beeindruckend sind aber die Artischocke ‚Cardy‘, die mit ihren silbrigen großen Blättern fast mehr beeindruckt als mit ihren Blüten (aber Hummeln lieben sie, sie baden regelrecht darin), und auch die Rose ‚Veilchenblau‘, die inzwischen die ganze rückwärtige Mauer bis in eine Höhe von 4 m einnimmt, und zwar nur einmal im Jahr, aber dafür in verschwenderischer Fülle blüht.

Der Engel


Etwas Gartenkitsch muss sein. Ich gehöre da eh nicht zu den Spartanern. Bei jedem Objekt sollte man sich allerdings gut überlegen, ob es ein Beitrag ist oder alles Bestehende aus der Bahn wirft.

Wir waren damals in Norditalien unterwegs. Dort bieten Händler entlang der Landstraßen eine abschreckende Fülle meist schlechter Beton-Repliken antiker Vorbilder von Statuen, Bildnissen und Säulen feil. Zwischen all diesen Ungeheuerlichkeiten stand diese Platte mit der Darstellung eines putto, der eine Ähre im Arm hält. „Das passt!“, dachten wir und haben ihn mitgenommen.

Er fand seinen Platz an der hinteren Mauer, am Endpunkt der Blickachse zur Terrassentür und ist deshalb auch von der Wohnung aus gut zu sehen. Die schneeweiß blühende Rose ‚Schneewittchen‘ wurde ihm beigesellt und so wacht er seither über den Garten.