Garten minus Zäune

Theater und Garten haben etwas gemeinsam: In beiden wird dem geneigten Publikum auf einer Bühne ein Schaustück geboten.


Als mich Julia Dillmann vom Theaterkollektiv pierre.vers fragte, ob ich meinen Garten für ein Projekt zur Verfügung stellen würden, war ich ziemlich skeptisch. Das Stück sollte im Rahmen des Asphalt Festivals gezeigt werden. Die Idee war, eine Tour durch verschiedene Formen urbanen Grüns zu unternehmen, und Davids Garten sollte eine von mehreren Stationen dabei sein.

Ich hatte Bedenken, ob die angedachten 50 Personen pro Abend überhaupt hinein passen würden. Er wächst ja im Lauf des Jahres ziemlich zu. Gut, dass ich zugestimmt habe, denn es wurde eine Erfahrung der besonderen Art.



Der Teich wird angelegt

Mein “Teichleben” begann schon im Sandkasten. Wortwörtlich. Dort hatte ich mit 9 oder 10 mein erstes Minigewässer und habe Kaulquappen aufgezogen.


Dann ging es weiter: der Teich wurde größer, ein zweiter kam hinzu, zusätzlich zu den Fröschen zogen Wasserschildkröten ein, was ersteren nicht besonders gefallen haben dürfte … Teiche sind Hotspots des Gartenlebens. Hier finden sich nicht nur Pflanzenarten, die es sonst nirgendwo gibt, auch Insekten und Vögel schätzen sie sehr. Darum stand es außer Zweifel, dass auch der neue Garten einen Teich brauchte. Aber wohin?

Ich hatte viel darüber nachgedacht, kam aber zu keiner Lösung. Entweder passte die Stelle nicht ins Designkonzept oder sie war für einen Teich ungeeignet. Bis eine Freundin (es war noch 2011) im Garten stand und meinte “Ein Teich gehört in die Mitte!”

Es gibt Momente, die setzen etwas in Gang, und dieser gehörte dazu. “Wenn der Teich im Mittelpunkt steht, dann gruppiert sich alles andere drumherum, dann könnte man doch einen Rundweg anlegen, dann könnte man doch entlang des Wegs Zimmer anlegen … .” Und so führte eine harmlose Bemerkung nicht nur zur Anlage des Teiches an besagter Stelle, sondern auch zu einer grundlegenden Neuausrichtung des gesamten Gartenkonzepts.

Einen Teich in ein ehemaliges Trümmergrundstück zu graben ist allerdings eine ganz eigene Herausforderung. Das Vorgängerhaus war im Krieg zerstört worden, nur der Keller blieb erhalten. Offenbar hatte man die Überreste lediglich flachgezogen und mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Auf jeden Eimer Erde kamen gefühlte 10 Eimer Backsteine, zerbrochene Fliesen und andere Zeugnisse der Vergangenheit. Die wurden dann auf immer größer werdenden Haufen auf der Betonplatte entlang des Teiches aufgeschüttet. Wo sie auch größtenteils blieben – und mit Erde bedeckt neue Beete bildeten.

Die Grube wurde an ihrer tiefsten Stelle fast 1 m tief ausgehoben. Der Bereich ist von der Fläche her allerdings ziemlich klein, ein Rechteck direkt vor der Betonplatte, wo später eine Sitzfläche aus Terrassenholz angelegt wurde. Die Tiefe wird benötigt, um bei starkem Frost Rückzugsmöglichkeiten für die Lebewesen oder auch einer Seerose einen guten Standort zu bieten. Im Rest der fast 4 m² großen Fläche ist der Teich dagegen flach, nur bis zu ca. 30 cm tief. Vielen Sumpfpflanzen kommt das sehr entgegen. Es ermöglicht außerdem einen sanften Übergang ans Ufer. Als Rand wurden Backsteine aus dem Aushub verwendet, die im Wasser liegend schon bald vermoosten und heute sehr natürlich wirken.

Die 1 mm starke Teichfolie in die Grube zu bugsieren und möglichst faltenfrei auszulegen ist ohne Hilfe kaum zu bewältigen. Für verhältnismäßig kleine, individuell gestaltete Gartenteiche wie dieser ist dieser Ansatz jedoch empfehlenswert. Fertigteiche geben die Form hingegen vor und lassen sich meiner Ansicht nach auch kaum natürlich in die Umgebung einfügen.

Der Teich wurde im April angelegt und benötigte dann einige Wochen der Ruhe, bevor die ersten Pflanzen einziehen konnten. Danach ging es allerdings sehr schnell, im Sommer sah er schon ganz passabel aus.

Die Bauarbeiten

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