Die Eremitage

Es gibt wahrscheinlich in jedem Garten Ecken, die einem irgendwie nicht geraten wollen, wo entweder nichts wachsen will oder zu denen man einfach keine Idee hat.


Ein solcher Platz war bei mir die Ausbuchtung des Grundstücks hinten rechts. Ein Teil der Fläche war mit dem Pavillon bereits ganz gut gelungen. Der restliche Teil, nur ein paar Quadratmeter, war zu einer echten Schmuddelecke mutiert. Hier sammelte sich alles, was nicht sofort in den Blick geraten sollte. Mit der Fertigstellung des Pavillons musste hier was passieren, denn der Ausblick von dort war nicht hübsch.

Ein an der Ecke zur Hauptfläche stehender Holunder, der sehr dekorativ von einem Efeu überwuchert wird, sollte dabei erhalten bleiben. Aber was sonst damit tun? Bedarf bestand auf jeden Fall nach einer Art Geräteschuppen. Da gibt es fertige Modelle in verschiedenen Größen und Ausführungen in den Baumärkten, aber ästhetische Bereicherungen sind sie allesamt nicht. Oder eine weitere Pergola? Es sollte nämlich unbedingt auch noch ein Wein gepflanzt werden, der am Pavillon keinen Platz mehr gefunden hatte. Aber was soll unter die Pergola? Ein weiterer Sitzplatz wäre ziemlich albern gewesen.

Die Eingebung kam, als uns eine Freundin erstmals in ihren Garten einlud. Sie hatte sich ein Gartenbett bauen lassen und schlief dort auch gelegentlich im Sommer. Eine tolle Idee! Zumal sie sich mit meinen anderen Wünschen mühelos verbinden ließ: Direkt in der Ecke wurde ein schmaler, kaum 1 m breiter Streifen für die Gerätschaften reserviert und hinter einer Trennwand dann das Bett gebaut. Das Ganze wurde mit einer Pergola umgeben und mit Plexiglas – von vorne unsichtbar – überdacht. Daran hat ein Wein der Sorte „Muscat bleu“ einen idealen Platz gefunden und verwöhnt uns seither mit schmackhaften Trauben.

Wir nennen den Ort jetzt scherzhaft „Eremitage“, also Einsiedelei. Sie hat sich schnell zu einem Lieblingsplatz entwickelt. Man kann hier schon früh im Jahr – dann unter einer Decke – wunderbar abhängen und lesen. Im Laufe des Sommers wächst sie komplett ein und bietet etwas Kühle und Schatten. Es war schon ein ziemlicher Aufwand, sie zu bauen, aber es hat sich gelohnt.

Die Bauarbeiten

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Garten minus Zäune

Theater und Garten haben etwas gemeinsam: In beiden wird dem geneigten Publikum auf einer Bühne ein Schaustück geboten.


Als mich Julia Dillmann vom Theaterkollektiv pierre.vers fragte, ob ich meinen Garten für ein Projekt zur Verfügung stellen würden, war ich ziemlich skeptisch. Das Stück sollte im Rahmen des Asphalt Festivals gezeigt werden. Die Idee war, eine Tour durch verschiedene Formen urbanen Grüns zu unternehmen, und Davids Garten sollte eine von mehreren Stationen dabei sein.

Ich hatte Bedenken, ob die angedachten 50 Personen pro Abend überhaupt hinein passen würden. Er wächst ja im Lauf des Jahres ziemlich zu. Gut, dass ich zugestimmt habe, denn es wurde eine Erfahrung der besonderen Art.



Der Teich wird angelegt

Mein “Teichleben” begann schon im Sandkasten. Wortwörtlich. Dort hatte ich mit 9 oder 10 mein erstes Minigewässer und habe Kaulquappen aufgezogen.


Dann ging es weiter: der Teich wurde größer, ein zweiter kam hinzu, zusätzlich zu den Fröschen zogen Wasserschildkröten ein, was ersteren nicht besonders gefallen haben dürfte … Teiche sind Hotspots des Gartenlebens. Hier finden sich nicht nur Pflanzenarten, die es sonst nirgendwo gibt, auch Insekten und Vögel schätzen sie sehr. Darum stand es außer Zweifel, dass auch der neue Garten einen Teich brauchte. Aber wohin?

Ich hatte viel darüber nachgedacht, kam aber zu keiner Lösung. Entweder passte die Stelle nicht ins Designkonzept oder sie war für einen Teich ungeeignet. Bis eine Freundin (es war noch 2011) im Garten stand und meinte “Ein Teich gehört in die Mitte!”

Es gibt Momente, die setzen etwas in Gang, und dieser gehörte dazu. “Wenn der Teich im Mittelpunkt steht, dann gruppiert sich alles andere drumherum, dann könnte man doch einen Rundweg anlegen, dann könnte man doch entlang des Wegs Zimmer anlegen … .” Und so führte eine harmlose Bemerkung nicht nur zur Anlage des Teiches an besagter Stelle, sondern auch zu einer grundlegenden Neuausrichtung des gesamten Gartenkonzepts.

Einen Teich in ein ehemaliges Trümmergrundstück zu graben ist allerdings eine ganz eigene Herausforderung. Das Vorgängerhaus war im Krieg zerstört worden, nur der Keller blieb erhalten. Offenbar hatte man die Überreste lediglich flachgezogen und mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Auf jeden Eimer Erde kamen gefühlte 10 Eimer Backsteine, zerbrochene Fliesen und andere Zeugnisse der Vergangenheit. Die wurden dann auf immer größer werdenden Haufen auf der Betonplatte entlang des Teiches aufgeschüttet. Wo sie auch größtenteils blieben – und mit Erde bedeckt neue Beete bildeten.

Die Grube wurde an ihrer tiefsten Stelle fast 1 m tief ausgehoben. Der Bereich ist von der Fläche her allerdings ziemlich klein, ein Rechteck direkt vor der Betonplatte, wo später eine Sitzfläche aus Terrassenholz angelegt wurde. Die Tiefe wird benötigt, um bei starkem Frost Rückzugsmöglichkeiten für die Lebewesen oder auch einer Seerose einen guten Standort zu bieten. Im Rest der fast 4 m² großen Fläche ist der Teich dagegen flach, nur bis zu ca. 30 cm tief. Vielen Sumpfpflanzen kommt das sehr entgegen. Es ermöglicht außerdem einen sanften Übergang ans Ufer. Als Rand wurden Backsteine aus dem Aushub verwendet, die im Wasser liegend schon bald vermoosten und heute sehr natürlich wirken.

Die 1 mm starke Teichfolie in die Grube zu bugsieren und möglichst faltenfrei auszulegen ist ohne Hilfe kaum zu bewältigen. Für verhältnismäßig kleine, individuell gestaltete Gartenteiche wie dieser ist dieser Ansatz jedoch empfehlenswert. Fertigteiche geben die Form hingegen vor und lassen sich meiner Ansicht nach auch kaum natürlich in die Umgebung einfügen.

Der Teich wurde im April angelegt und benötigte dann einige Wochen der Ruhe, bevor die ersten Pflanzen einziehen konnten. Danach ging es allerdings sehr schnell, im Sommer sah er schon ganz passabel aus.

Die Bauarbeiten

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